Grußwort zum Tag der Vielfalt und Demokratie- 29.08.2026 -
Liebe Vertreterinnen und Vertreter der Vereine, Kirchen, Schulen und Initiativen,
liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
ich freue mich sehr, heute beim Tag der Vielfalt und Demokratie dabei zu sein.
Vielfalt begegnet uns jeden Tag: in unseren Städten und Gemeinden, in Vereinen, Schulen, am Arbeitsplatz und in unseren Nachbarschaften.
Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religion, Kultur und sexueller Orientierung leben hier zusammen. Sie arbeiten gemeinsam, treiben Sport, engagieren sich und übernehmen Verantwortung.
So ist unsere Gesellschaft. Und das ist eine Stärke, für die wir uns weiterhin engagieren sollten.
Aber Vielfalt funktioniert nicht von allein.
Sie braucht gemeinsame Regeln und Werte: die Würde jedes Menschen, die Freiheit jedes Einzelnen, die Gleichheit vor dem Gesetz und unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung.
Diese Vielfalt bildet das Fundament jeder Demokratie.
Demokratie bedeutet mehr als Wahlen. Demokratie bedeutet, miteinander zu reden, andere Meinungen auszuhalten, Argumente auszutauschen und Kompromisse zu suchen.
Das fällt manchmal schwer. Aber genau darin liegt auch die Stärke unserer Demokratie.
Dabei müssen Probleme wir offen ansprechen. Wir müssen über Migration sprechen können. Über innere Sicherheit. Über soziale Gerechtigkeit. Über die Zukunft unserer Kommunen.
Gerade die demokratischen Parteien der Mitte haben dabei eine besondere Verantwortung: Sie müssen zeigen, dass Politik handeln und entscheiden kann.
Denn wenn Probleme nicht gelöst werden, verlieren die Menschen das Vertrauen in die Demokratie. Dann werden die politischen Ränder stärker.
Aber ebenso wichtig ist: Aus Problemen dürfen niemals Feindbilder werden.
Wenn Menschen wegen ihrer Herkunft, ihrer Religion oder ihrer Lebensweise abgewertet werden, wenn Rassismus oder Menschenfeindlichkeit auftreten, müssen wir energisch widersprechen, unabhängig davon, aus welcher politischen Richtung solche Positionen kommen.
Denn Extremismus beginnt dort, wo die Würde des anderen nicht mehr respektiert wird.
Ich möchte gerne abschließend hervorheben:
Unsere Geschichte erinnert uns an eine besondere Verantwortung.
Deutschland hat erlebt, wohin Menschenverachtung und nationalistischer Größenwahn führen können.
Millionen Menschen wurden verfolgt und ermordet. Die Demokratie wurde zerstört, Europa in einen verheerenden Krieg gestürzt.
Diese Geschichte ist keine Vergangenheit, die uns nichts mehr angeht.
Sie ist Mahnung und Auftrag zugleich.
Die Demokratie in Deutschland ist kein unveränderbarer Naturzustand, sondern ein historisch hart erkämpftes Gut, das aktuell zunehmend unter Druck gerät.
Demokratie erfordert daher den entschlossenen Widerstand gegen Extremismus jeglicher Art, da sowohl rechtsextreme, linksextreme als auch religiös motivierte Strömungen unsere Freiheit bedrohen.
„Nie wieder“ und „Wehret den Anfängen“ sind deshalb keine leeren Worte.
Sie sind eine Verpflichtung – für uns alle und für jede Generation.
Lassen Sie uns deshalb nicht nur über Vielfalt sprechen.
Lassen Sie uns Vielfalt leben.
Danke all jenen, die sich jeden Tag für Vielfalt, Demokratie einsetzen.
Danke an das Organisationsteam dieser Veranstaltung.
Und, Danke für Ihre Aufmerksamkeit.
Norbert Heidgen
